Sechs Wege, wie du deine Arbeitsabläufe im Studio veränderst

09/08/2017

Nutze die Dante-Vorteile

Du hast dir ein Focusrite Red-Interface gekauft. Super, dazu gratulieren wir dir! Vermutlich hat es einen guten Platz in deinem Studio gefunden und du freust dich über die geringe Latenz und den dynamischen Klang. Aktuell benutzt du vielleicht nur die DigiLink- und Thunderbolt-Anschlüsse, um das Interface mit verschiedenen DAWs zu verbinden, denn es ist das erste Interface für Pro Tools | HD und Ableton Live. Vielleicht verwendest du dein Red-Interface aber auch auf der Bühne, um ein Playback für deine Band einzuspielen? Ein weitere Argument für den Kauf dürften wohl die hochwertigen Wandler gewesen sein. Aber nun hast du entdeckt, dass die Bühnencrew ein Dante-Netzwerk für den Monitor und den FOH einsetzt. Dein Red-Interface arbeitet auch mit Dante, sodass du einen Test damit beginnen kannst.

In diesem Artikel haben wir dir einige Ideen zusammengetragen, wie du die Dante-Vorteile für dich nutzen kannst.

1. Erweitere deine Foldback-Möglichkeiten
Bei konventionellen Interfaces erfordert das Erstellen von individuellen Mixen entweder ein dediziertes Kopfhörer-Verteiler-System, für das man gerne vierstellige Summen auf den Tisch legen muss. Alternativ hast du ein großes Mischpult mit genügend Aux-Wegen oder Mix-Gruppen, um jedem Künstler seinen eigenen Mix zu geben. Auch ein solches Pult hat einen hohen Preis. Wenn du jetzt noch die Kopfhörerverstärker nimmst und die ganze Verkabelung, um deine Signale an alle nötigen Stellen zu schicken, bekommst du ein riesiges und kompliziertes System, das für technische Fehler geradezu prädestiniert ist. Eine Alternative kann es sein, dass du alle deine Kopfhörer-Sends in der Control-Software deines Interfaces mischt, aber die Einrichtung der Prozesse verschlingt viel Zeit. Zudem benötigst du eine große Zahl an Audio-Ausgängen für die Musiker - von der möglichen Latenz älterer Interfaces ganz zu schweigen.

Mit den Verbindungsmöglichkeiten von Dante eröffnen sich jedoch deutlich elegantere Lösungen. Red 4Pre und Red 8Pre verfügen jeweils über ein Dante-Interface mit 32 Ins und Outs, mit dessen Hilfe sich Audio-Signale wunderbar zwischen deiner DAW und Dante-Geräten übertragen lassen. Das könnte zum Beispiel ein Focusrite RedNet AM2 sein, ein zweikanaliger Dante-Receiver mit einem Kopfhörer-Verstärker und Line-Ausgängen, der dank seiner kompakten Bauweise kaum Platz benötigt. Du kannst bis zu 16 Foldback-Stationen in deinem Studio errichten, was pro Foldback-Mix lediglich mit gut 400 Euro zu Buche schlägt. Die Funktionalität ist fertig und wartet auf ihren Einsatz, keine Upgrades oder Add-ons sind erforderlich, du musst es nur einmal schnell einrichten. Da AM2 als eines der wenigen Dante-Produkte auch die Ethernet-Reihenschaltung unterstützt, kannst du sogar auf einen Netzwerk-Switch verzichten.

Damit hast du die Möglichkeit, bis zu acht latenzfreie Mixe in Focusrite Control zu erstellen und die Musiker können mit ihren iOS-Geräten und der Focusrite-App den Mix an ihre Wünsche anpassen!

Die Einbindung von Focusrite RedNet AM2 über Dante ist eine günstige Möglichkeit, um praktische Foldback-Wege für die Musiker bereitzustellen.

2. Nutze jede Ecke deines Studios, um dort aufzunehmen
Einer der großen Vorteile von Audio-over-IP ist die Möglichkeit, die Systeme einfach und kostengünstig zu erweitern. Nehmen wir an, es gibt einen Produktionsraum in einem Studiokomplex, in dem verschiedene Musiker und Produzenten arbeiten. Es gibt ein paar Racks mit Outboard-Geräten und jede Menge Platz, um mehrere Sänger oder eine Bläser-Sektion gleichzeitig aufzunehmen. Mehr aber auch nicht. Ein Freund von dir, der auch in diesem Studiokomplex arbeitet, hat noch einen Live-Raum und dann gibt es noch dieses schöne Treppenhaus am Ende des Flures, das so wunderbar hallig klingt. Träumst du schon immer davon, in solchen Räumen zu arbeiten?

Mit Focusrite Red 4Pre oder 8Pre in deinem Studio hast du neben wunderbar klingenden Wandlern und in dieser Klasse führenden Mikrofon-Vorverstärkern auch ein 32 I/O Dante-Interface integriert. Mit Dante kannst du die angeschlossenen Geräte auf jede gewünschte Art konfigurieren, sodass nicht alle 32 Kanäle vom selben physikalischen Ort kommen müssen (wie es bei MADI oder ADAT beispielsweise erforderlich ist). Nimm ein Streicherquartett im Eingangsbereich auf und verwende dafür einen Dante-fähigen Mikrofon-Vorverstärker mit 16 Kanälen, vier Kanäle setzt du als Stereo-Reverb Send/Return für das Treppenhaus ein und der Rest kann als unabhängige Kopfhörer-Kanäle für die Musiker genutzt werden. (Siehe Punkt 1 weiter oben.)

Du benötigst dafür natürlich zusätzliche Interfaces, wie zum Beispiel eines aus der Focusrite RedNet-Reihe. Dank der halboffenen Architektur von Dante gibt es mittlerweile über 1.000 Geräte, aus denen du auswählen kannst, angefangen beim digitalen Audio-Recorder über Verstärker bis zu Funkmikrofonen.

Natürlich gab es auch früher solche Möglichkeiten, auf diese Art zu arbeiten, aber das analoge Routing, die Signalverteilung und das benötigte Outboard-Equipment bedeuteten unvergleichlich mehr Aufwand und viel höhere Kosten. Mit Dante kannst du einfach verschiedene Bereiche eines Gebäudes miteinander verbinden, ohne dich um Signalverluste zu kümmern und teure Multicore-Kabel verlegen zu müssen. Du brauchst lediglich Standard-Ethernet-Netzwerkkabel (Cat-5e oder Cat-6) und einen Netzwerk-Switch - plus ein bisschen Vorstellungskraft.

Mobile Racks mit Dante-Geräten - in diesem Fall zwei Focusrite RedNet MP8R Mikrofon-Preamps - können einfach und praktisch dort aufgestellt werden, wo sie gerade gebraucht werden. Focusrite AM2 (ganz oben auf dem Rack) stellt einen dedizierten Kopfhörer-Mix für Musiker bereit.

3. Mach’ deine Live-Performance zu einem Klangerlebnis
In Live-Shows haben Computer heutzutage eine wichtige Rolle eingenommen, vor allem seitdem DAWs und Interfaces immer stabiler und zuverlässiger arbeiten. Bei vielen Konzerten werden Songteile als Playback eingeflogen, damit die Band im Sync bleibt, der Gesamtklang fetter wird und der Klang des Albums auch beim Live-Event zu erkennen ist. Dabei übernimmt der Music-Director, der häufig auch selber in der Band spielt, in vielen Fällen das Triggern des Playbacks. In komplexeren Bühnensetups kann es aber auch vorkommen, dass mehrere Band-Mitglieder Audio-Signale an eine DAW schicken, um diese dort mit Effekten zu veredeln.

Focusrite Red 8Pre ist für diese Zwecke eine exzellente Wahl, denn die 16 hochwertigen und 18 ebenso qualitativen Ausgänge sind im Zusammenspiel mit der geringen Latenz über Thunderbolt ideal für den Live-Einsatz. Nicht zu vergessen, dass du noch den Dante-Bereich hast, den du nutzen kannst.

Dante wird im Live-Bereich auf vielfältige Weise genutzt, denn hier kann die Plug & Play-Architektur ihre Vorteile ausspielen. Auch die Vielzahl an Dante-Geräten, die Option, über lange Distanzen ohne Qualitätsverluste der Signale zu arbeiten, macht Dante zur ersten Wahl. In vielen Geräten, die du live siehst, ist Dante schon integriert, ob Mischpulte oder anderes Equipment.

Anstelle also die analogen Ausgänge eines Interfaces mit dem Band-Playback an den Monitor-Mixer zu schicken, plus den erforderlichen Split, damit die Signale auch FOH vorliegen, erscheinen bei der Verbindung über Dante deine Ausgänge einfach im Netzwerk und sowohl der Monitor-Mischer als auch der FOH-Ingenieur können sie sofort abgreifen. Die Ausgangs-Pegel können unabhängig voneinander festgelegt werden, sodass auch noch ein Live-Recording denkbar ist, wenn die ungemischten Signale an ein Recording-System geschickt werden.

Es ist eine klassische Win/Win-Situation, ganz gleich, wie man sie auch betrachtet. Falls du schon ein Dante-Setup für die Bühne besitzt, brauchst du dafür nur noch einen Netzwerk-Switch und ein paar günstige Kabel kaufen. Wo du früher viele DI-Boxen und schwere analoge Multicores nutzen musstest, kannst du dich heute über die große Ersparnis erfreuen. Dabei bleibt der Sound immer auf der digitalen Ebene im Mixer, sodass es zu keinen klanglichen Einbußen kommt. Viel besser kann es nicht klingen. Während des Soundchecks wirst du erstaunt feststellen, wie schnell nun alles klappt, und deine Rountings sicherst du einfach in Presets, um sie später wieder aufzurufen. Dank des geringeren Equipment-Bedarfs musst du am Ende der Show weniger Cases in den LKW schleppen und – das haben wir ja noch gar nicht erwähnt - Das System lässt sich fernsteuern.

Erzähl’ das mal deinem Mischer, der wird sich richtig freuen!

Dante-Netzwerke sind im Live-Einsatz mittlerweile sehr gebräuchlich. Die vier Focusrite RedNet MP8R Mikrofon-Preamps unter der Bühne sind für die Signale zuständig, die zum FOH gehen. RedNet 2 liefert über die D/A-Wandler die Signale für den Monitormix und das FOH-System.

4. Sichere jede Aufnahme als Mehrkanal-Backup
Aufnehmen mit einem Computer ist so zuverlässig, wie noch nie. Die Zeiten, in denen abgestürzte DAWs zu einem Neustart mit Datenverlust geführt haben, sind gottseidank vorbei. Nichtsdestotrotz kann Software auch heute noch Fehler enthalten, die natürlich mitten in einer Mehrspuraufnahmen auftreten. Auch Festplatten geben irgendwann ihren Geist auf und das geschieht gerne dann, wenn man das für viel Geld engagierte Streicherorchester gerade aufnehmen möchte.

Ganz gleich, ob du mit Audio-Over-IP oder einem anderen Recording-System arbeitest, es ist immer gut, ein Backup-Recording-System zur Verfügung zu haben, falls die oben erwähnten Albtraumsituationen tatsächlich eintreten sollten. In der analogen Welt würde das viel Aufwand erfordern und entsprechende Kosten nach sich ziehen, schließlich bräuchte man einen analogen Splitter, der zudem noch Platz benötigt und die Signalqualität beeinflusst.

Mit Focusrites Red-Interfaces stehen dir 32 Ein- und 32 Ausgänge über das Dante-Netzwerk zur Verfügung. Dazu kommt eine leistungsstarke, FPGA-basierte Routing-Matrix, die auch dann arbeitet, wenn das Gerät nicht an einen Computer angeschlossen ist. Während du mit Ableton, Logic oder Pro Tools | HD als Haupt-DAW analoge und digitale Signale aufnimmst, inklusive ADAT und S/P-DIF, kannst du diese Signale mit der Focusrite Control-Software auch noch an einen externen, Dante-basierten Mehrkanal-Rekorder routen. So etwas gibt es zum Beispiel in Form des BlackBox-Recorders von JoeCo. Die dafür nötigen Kabel kosten weniger als 5 Euro, das Aufnahmegerät ist ein klein wenig teurer. Aber was sind diese Preise schon im Vergleich zu deinem inneren Frieden und der Sicherheit, die du und deine Kunden haben, dass Aufnahmen funktionieren, wenn sie es sollen und es immer eine Sicherheitskopie davon gibt?

JoeCos BlackBox-Recorder ist mit einem Dante-Eingang erhältlich, sodass damit Backup-Aufnahmen von einem Dante-Netzwerk problemlos möglich sind.

5. Nutze einen analogen Mixer für Live-Mixdowns
In den letzten Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten, sind große Mischpulte mehr und mehr von der Bildfläche verschwunden. In manchen Anwendungen haben die Pulte nur noch eine Schattenrolle als Lautstärkeregler und Talkback-Einheit. Andere Anwender haben die Pulte sogar komplett abgeschafft und durch DAW-Controller ersetzt.

In manchen Fällen blieben die Pulte noch in Betrieb, um altes analoges Equipment mit der DAW und den Interfaces permanent verbunden zu lassen. Aber wenn der Platz im Studio knapp wurde, war die Zeit für die großen Männerträume mit den vielen Reglern gekommen und das letzte Kabel wurde gezogen. So mancher Mixer musste einer Vocal-Booth oder einem Geräte-Rack weichen.

Aber diejenigen, die damit gearbeitet haben, wisse genau, dass es nichts Vergleichbares gibt, als mit so einem Pult zu mischen. Du gruppierst Kanäle und machst sanfte Fader-Fahrten für mehrere Kanäle, indem du einen Bleistift zur Hilfe nimmst, der die Fader-Kappen verbindet. Mit Tape beklebst du das Pult für die Beschriftung und die EQs hast du im direkten Zugriff. Alles das kannst du gleichzeitig tun.

Warum auch immer die Mixer in der Vergangenheit ausgemustert worden sind, vielleicht gibt es heute gute Gründe, sie wieder in Betrieb zu nehmen und damit die Live-Mixdown-Möglichkeiten zu verbessern? Dank der Flexibilität der Red-Interfaces und den Verbindungsmöglichkeiten von Dante lässt sich ein Mischpult ohne großen Aufwand in deine tägliche Arbeitsabläufe integrieren. Natürlich kostet das etwas, denn du benötigst einen Netzwerk-Switch und einige A/D- und D/A-Wandler, z.B. einen oder zwei RedNet A16R. Wenn du bisher dachtest, dass diese Möglichkeiten außerhalb deiner Welt liegen, ist es jetzt vielleicht die richtige Zeit, noch einmal neu darüber nachzudenken.

Entstaube dein altes 8-Bus-Pult oder schaue in die Gebrauchtangebote, um wieder richtig und echt von Hand zu mischen.

6. Integriere eine analoge Bandmaschine in die Arbeitsabläufe deiner DAW
Heute sind analoge Bandmaschinen eher ein kreatives, wenngleich teures, Werkzeug und keine nötige Investition, wie zu vordigitalen Zeiten vor vielen Jahren. Mit dem Einzug von Computern in die Recording-Welt wurden Bandmaschinen durch Digital Audio Workstations (DAWs) ersetzt. Immer häufiger fristeten die heißbegehrten Helfer von früher nun ein staubiges Dasein in einem Studiolagerraum, wenn sie nicht schon längst verkauft oder entsorgt worden waren. Doch noch immer gilt der Klang eines Bands als wichtiges Element für bestimmte Musikrichtungen, vor allem im Rock ’n Roll, bei dem Bandsättigung fast schon ein Genre-bildender Bestandteil war.

Eine Mehrspur-Bandmaschine ist kein günstiges Vergnügen und selbst wenn man das Glück hat, ein solches Modell zu ergattern, so ist der Betrieb keineswegs so einfach und wartungsfrei, wie man es von einer DAW kennt. Dafür hast du aber die Möglichkeit, eine Bandmaschine relativ einfach über Dante in deine DAW-Arbeitsabläufe zu integrieren.

Mit Red 8Pre als Haupt-Interface und deinem vorhandenen Equipment stehen dir über die analogen Verbindungen sowie die ADAT- und S/P-DIF-Schnittstelle 32 zusätzliche Ein- und Ausgänge in Dante zur Verfügung. Wenn du also eine 16-Spur-Maschine hast, die über einen RedNet A16R A/D-D/A-Wandler angeschlossen ist, kann du deine Audio-Signale in beide Richtungen in und aus dem Dante-Netzwerk führen und hast immer noch die andere Hälfte der Kanäle frei für weitere Signale. Wenn du mit einer 24-Spur-Maschine arbeiten möchtest, benötigst du logischerweise acht weitere A/D- und D/A-Wandler, um die Signale mit Dante zu nutzen. In diesem Szenario bleiben dir dann noch acht Kanäle für weitere Signale übrig.

Eine Studer A800 MkIII ist der Traum vieler Toningenieure. Der Kauf schlägt mit einer guten vierstelligen Summe ins Budget und du brauchst zusätzlich noch A/D- und D/A-Wandler. Sobald sie angeschlossen ist, kannst du sie in deine tägliche Arbeit integrieren. (Image: Bulletsound Studios.)

Uns ist klar, dass diese Option aufgrund der Kosten sicher nicht für jeden passt. Aber vielleicht lohnt es sich, darüber nachzudenken, welche geschäftlichen Möglichkeiten sich ergeben, wenn du den Bedarf für Tape-Recording in deiner Region bedienen kannst. Wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, um bei eBay auf die Suche zu gehen?

— Words: Chris Mayes-Wright